Freiheit und Menschenwürde: Rede von Elena Zaugg

An der Jugend­ses­sion 2015 hielt Elena Zaugg eine Rede zum Thema Frei­heit und Men­schen­würde. Die anre­gende Rede gibt es nun hier auch als Text.

 

Frei­heit und Men­schen­würde

Liebe Anwe­sende des Polit­fes­ti­vals 2015

Es freut mich, dass ich heute hier ste­hen darf - vor all die­sen Jung­po­li­ti­kern und Inter­es­sier­ten. Ich möchte euch zur The­ma­tik Frei­heit und Men­schen­würde einige Gesichts­punkte dar­le­gen.

Uns wird gesagt, dass wir in einer freien Schweiz leben. In einer Demo­kra­tie, in der jeder Schwei­zer Bür­ger und Bür­ge­rin sei­nen Teil zum poli­ti­schen Gesche­hen bei­tra­gen kann. Jeder hier hat das Recht auf Schul­bil­dung, auf Arbeit, auf soziale Leis­tun­gen, auf Reli­gi­ons­frei­heit und vie­les mehr. So besit­zen wir ein Bild von einer freien Schweiz in der Chan­cen­gleich­heit herrscht, damit jeder, wenn er denn genü­gend hart dafür arbei­tet, alles errei­chen kann, was er oder sie will. 

Tat­sa­che ist, dass sich jeder Schwei­zer Bür­ger und Bür­ge­rin sehr beschränkt an den poli­ti­schen Ent­schei­den betei­li­gen kann. Die gros­sen Par­teien haben die grösste Ent­schei­dungs­kraft und prä­gen so die poli­ti­sche Land­schaft nach ihren eige­nen par­tei­li­chen Inter­es­sen und den Inter­es­sen der Lob­by­is­ten. 

Ja, jeder hat die Frei­heit eine Schul­aus­bil­dung zu durch­lau­fen. Jedoch muss heute für viele Berufe eine Matura vor­ge­wie­sen wer­den. Als Kin­der­gärt­ne­rin muss das Gym­na­sium absol­viert wer­den. Dadurch wird vie­len qua­li­fi­zier­ten Leu­ten die Mög­lich­keit genom­men die­sen Beruf aus­zu­üben, da sie in die­sem Schul­sys­tem keine Chan­cen haben zu beste­hen. Dies, weil sie viel­leicht feh­lende Stär­ken in der Mathe­ma­tik und der Gram­ma­tik vor­wei­sen. Es zäh­len eben Noten, Leis­tun­gen also mess­bare Fähig­kei­ten mehr als Cha­rak­ter­ei­gene Stär­ken wie Geduld, Liebe, Klar­heit und vie­les Andere. 

Den­noch haben wir ja das Recht auf Arbeit und die Mög­lich­keit, irgend einen Beruf zu erler­nen, der Geld ein­bringt. Aber was ist mit Män­nern und Frauen die nach ihrem 50ten Lebens­jahr die Arbeits­stelle aus unter­schied­li­chen Grün­den ver­lie­ren und dann nicht mehr ein­ge­stellt wer­den Für unsere Wirt­schaft sind se nicht mehr brauch­bar, da sie zu alt und zu teuer sind. Einige wer­den zu Sozi­al­fäl­len und andere tref­fen wir dann bet­telnd auf den Stras­sen Berns an. Sol­che Men­schen haben in unse­rem Wirt­schafts­sys­tem kei­nen Platz mehr. 

Gut, dass wenigs­tens die Frauen heute die Frei­heit haben unab­hän­gig zu sein und Kar­riere zu machen. Aber sie besit­zen nicht mehr die Frei­heit auf ihre Kin­der auf­zu­pas­sen und sich sel­ber um sie zu küm­mern. Es gibt immer mehr allein­er­zie­hende Eltern­teile, die ihre Kin­der in eine Fremd­be­treu­ung geben müs­sen, da sie sonst zu wenig Ein­kom­men haben. Das Selbe gilt für intakte Fami­lien, bei denen ein 100% Ein­kom­men nicht reicht, und somit das andere Eltern­teil auch arbei­ten muss. Sie arbei­ten hart und viel, damit es gerade so reicht und sehen die Kin­der nur zeit­weise. 

Immer­hin sind die Frauen für den Arbeits­markt inter­es­sant, da sie in diver­sen Beru­fen immer noch weni­ger kos­ten als die Män­ner. Wo wer­den hier Fami­lien, Eltern­teile und Kin­der gewür­digt?
Also komme ich zurück zur Poli­tik, die doch für den Men­schen die­nen soll - und nicht umge­kehrt. Eine Poli­tik, die diese Umstände sieht und sich fragt, was ver­än­dert wer­den muss, damit Men­schen wie­der Raum zum leben haben und nicht von wirt­schaft­li­chen Anfor­de­run­gen erdrückt wer­den. Ich sehe aber eine poli­ti­sche Land­schaft in der es um par­tei­li­che Inter­es­sen, um Macht und Riva­li­tät geht. Es geht um Sitze, um Stim­men und Anhän­ger.

Wo geht es da noch um den Men­schen selbst, um die Men­schen­würde und den Wunsch für diese Dinge ein­zu­ste­hen - und zwar unab­hän­gig von par­tei­li­chen Dif­fe­ren­zen. Sonst sind wir soweit, dass es um Ideo­lo­gien geht und nicht mehr um das tat­säch­li­che Fin­den von Lösun­gen.

In unse­rer Bun­des­ver­fas­sung steht: „...gewiss, dass frei nur ist, wer seine Frei­heit gebraucht, und dass die Stärke des Vol­kes sich misst am Wohl der Schwa­chen.“

Es geht doch darum die Men­schen zu lie­ben und zu wür­di­gen. Doch wir haben unsere Poli­tik nach der Wirt­schaft und deren Inter­es­sen aus­ge­rich­tet und wir spre­chen von ihr als sei die Wirt­schaft ein Lebe­we­sen oder gar eine Gott­heit, wel­che Opfer ver­langt, gar Men­schen­op­fer. Dabei ist sie von Men­schen erschaf­fen wor­den und sollte den Men­schen die­nen - und nicht umge­kehrt.

Also - kom­men wir zurück zu einer Poli­tik, die sich nicht über Par­teien allein defi­niert, son­dern über Poli­ti­ker und Poli­ti­ke­rin­nen, die das Wohl für die Bevöl­ke­run­gen anstre­ben und nicht ihre eige­nen Inter­es­sen ver­fol­gen, damit sie gemein­sam Lösun­gen fin­den und das Ver­trauen der Schwei­zer Bevöl­ke­rung wie­der erlan­gen.