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Newsartikel

Kolumne: Vom Umziehen und Ausmisten

Kolumne von Patrik Locher, Regio­nal­ko­or­di­na­tor *jevp Kan­ton Bern.

Wer kann sich noch an den Aus­zug von Zuhause erin­nern? Ich sehr gut, denn ich habe ihn eben erst gemeis­tert. Anders als meine Schwes­ter (sie hat eine Lehre als Bau­zeich­ne­rin absol­viert und ist schon früh aus­ge­flo­gen) habe ich meine Erst­aus­bil­dung nach dem Stu­dium abge­schlos­sen. So war ich damals froh über die Mög­lich­keit, nach dem Gym­na­sium noch ein Weil­chen Zuhause zu blei­ben. Mit dem Diplom in der Tasche, einem Arbeits­ver­trag in der Hand und eini­gen Wochen Ferien in Aus­sicht konnte ich mich ans Aus­zie­hen machen. Doch vor dem «Aus»-ziehen kam das «Aus»-misten. Viele Erin­ne­rungs­stü­cke, alte Notiz­blö­cke, Bücher, Klei­der usw. wur­den prü­fend unter die Lupe genom­men. Immer wie­der fragte ich mich: Brau­che ich das wirk­lich? Ist mir diese Sache noch immer so wich­tig wie damals, als ich sie aus einem bestimm­ten Grund auf­be­wahrt hatte? Bei vie­lem hatte sich meine Ein­stel­lung dazu geän­dert, so wurde auch kein Platz in der Zügel­kiste dafür reser­viert.

Oft fin­den wir sol­che «alten» Dinge auch in den Köp­fen von uns Men­schen. Vor Jah­ren gemachte Mei­nun­gen, ver­här­tete Stand­punkte oder Auf­fas­sun­gen zu The­men, wel­che wir als so kom­plex erach­ten, dass wir keine Lust haben uns erneut damit zu beschäf­ti­gen, las­sen uns viele inter­es­sante Gesprä­che und neue Begeg­nun­gen ent­ge­hen. Wie beim Aus­mis­ten eines Zim­mers ist das Prü­fen der eige­nen Mei­nung zu bestimm­ten The­men ein erleich­tern­der und zugleich anre­gen­der Pro­zess. Ein wei­te­rer Vor­teil hat die Denk­ar­beit: Staub­wol­ken und Nie­s­at­ta­cken blei­ben aus.

Aus der Zeit­schrift Ber­ner EVP Aus­gabe 3, 2015.