Statement zum internationalen Tag gegen Menschenhandel

Statement zum internationalen Tag gegen Menschenhandel

Heute, am internationalen Tag gegen Menschenhandel, fordern die Junge EVP und die ECPYouth (European Christian Political Youth) eine stärkere Sensibilisierung der Gesellschaft, bessere Rechtssysteme, wirksame Unterstützung und Schutz für die Opfer sowie bessere internationale Kooperation zur Bekämpfung des Menschenhandels in Europa und weltweit.

 

Menschenhandel ist kein Problem, das weit weg ist. In Europa werden jährlich über 10.000 Fälle von Menschenhandel aufgedeckt, wobei die Dunkelziffer mit Sicherheit noch viel höher liegt. Dieses Verbrechen findet nicht nur weit weg von uns statt, sondern auch hier – in unseren Ländern, Städten und Gemeinden. Es ist ein drängendes Menschenrechtsproblem, das uns alle angeht. 

Die Opfer werden in verschiedenen Sektoren unter furchtbaren Bedingungen ausgebeutet. Die häufigste Form des Menschenhandels ist die sexuelle Ausbeutung, von der überwiegend Frauen und Mädchen betroffen sind. Sie werden mit Gewalt oder durch Täuschung zur Prostitution gezwungen, teils in andere Länder gebracht und durch finanzielle, rechtliche oder soziale Abhängigkeiten an den „Arbeitsplatz” oder den Menschenhändler gebunden. Die zweithäufigste Form von Menschenhandel ist die Arbeitsausbeutung durch dubiose Verträge, missbräuchliche Arbeitsbedingungen und inadäquate Entlohnung. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist auch hier die Dunkelziffer extrem hoch. Es gibt auch weitere Formen des Menschenhandels, zum Beispiel den Organhandel.

Die beschriebenen Zustände sind moderne Sklaverei und jenseits jeder Vorstellung von Menschenrechten. Sie stehen im Widerspruch zu allen christlichen Werten wie Liebe, Gleichheit und Würde. Menschenhandel jeglicher Form muss beendet werden. Jetzt!

 

Die Europäische Gemeinschaft muss jetzt handeln

Die Junge EVP fordert gemeinsam mit der ECPYouth konkrete Massnahmen. Die europäischen Länder müssen alles in ihrer Macht stehende tun, um Menschenhandel zu beenden. 

Wir rufen die Europäische Gemeinschaft dazu auf, die folgenden Schritte und Massnahmen zu ergreifen: 

  • Stärkung und proaktive Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, insbesondere durch Partnerschaften mit internationalen und regionalen Organisationen, um den Informationsaustausch und die Dokumentation im Zusammenhang mit Menschenhandel zu verbessern. 

  • Bereitstellung umfangreicher finanzieller und personeller Ressourcen für die internationale und regionale Strafverfolgung von Personen und Organisationen, die Menschenhandel betreiben. Dies würde die Umsetzung neuer umfassender Massnahmen gegen den Menschenhandel und eine nachhaltige Schulung von Strafverfolgungsbehörden, Fachleuten und politischen Entscheidungstragenden ermöglichen. 

  • Verbesserung des Bewusstseins in der Bevölkerung (z.B. durch Kampagnen im öffentlichen Raum), da Menschenhandel häufig übersehen, vergessen und totgeschwiegen wird. Öffentliches Bewusstsein bildet einen unverzichtbaren Beitrag zur Prävention und Meldung von Menschenhandel.

  • Investitionen in langfristige Prävention, indem die sozioökonomischen Ursachen des Menschenhandels, wie geschlechtsspezifische Gewalt, Arbeitslosigkeit, Armut und mangelnder Zugang zu Bildung, insbesondere in Hochrisikogebieten, angegangen werden. 

  • Umsetzung aller individuellen Massnahmen für das jeweilige Land, die vom Ausschuss der Vertragsparteien des «Übereinkommens des Europarats zur Bekämpfung des Menschenhandels» empfohlen sind. 

  • Finanzielle, rechtliche und psychologische Unterstützung für Opfer von Menschenhandel zu sprechen, sodass diese nicht Gefahr laufen, erneut Opfer von Menschenhandel zu werden.

  • Sicherstellung, dass identifizierte Opfer von Menschenhandel eine temporäre Aufenthaltsbewilligung für die Dauer der rechtlichen Prozesse erhalten, um zu verhindern, dass sie in ihrem Herkunfts- oder Aufenthaltsland, erneut Opfer von Menschenhandel werden. 

  • Einführung von Kontrollmechanismen für Gruppen, die besonders gefährdet sind, Opfer von Menschenhandel zu werden, wie z.B. Kinder, Migrantinnen und Migranten oder Menschen mit Behinderung.

  • Prüfung von Anpassungen und der Einführung von Gesetzen nach dem Nordischen Modell in Bezug auf Prostitution, folglich Sexkauf strafbar zu machen und nicht die Sexarbeitenden zu kriminalisieren.

  • Unternehmen zu höheren Standards bei der Sorgfaltspflicht anzuhalten und zur Verantwortung ziehen, um Menschenhandel in ihren Lieferketten zu unterbinden und zu verhindern. 

 

Jeder Fall, einer zu viel

Wir müssen anerkennen, dass unsere vermeintlich humane und egalitäre Gesellschaft moderne Sklaverei weiterhin zulässt. Tausende von Menschen werden für persönlichen, sexuellen und finanziellen Gewinn ausgebeutet – ohne Rücksicht auf ihre Menschenrechte, ihre Würde, Unabhängigkeit, Integrität und persönliche Entwicklung.

Die Europäische Gemeinschaft muss akzeptieren, dass Menschenhandel deutlich präsenter ist als allgemein angenommen und dass deutlich mehr getan werden könnte, um Menschenhandel zu verhindern. Mit ausreichenden Ressourcen, griffigen Gesetzen und effektiver Strafverfolgung, grossflächiger Sensibilisierung und wirksamer internationaler Kooperation kann das Problem des Menschenhandels direkt angegangen und eliminiert werden. Denn jeder Fall ist einer zu viel.

Als Christinnen und Christen sind wir davon überzeugt, dass wir unseren politischen und ethischen Fokus wieder auf Menschlichkeit und ein Leben in Würde für alle Menschen richten müssen.